musizieraktionen

musizieraktionen: frei streng lose.
Anregungen zur V/Ermittlung experimenteller Musizier- und Komponierweisen
mit 29 Originalbeiträgen von

Peter Ablinger, Cordula Bösze, Lorenzo de Cunzo, Eduard Demetz, Renald Deppe, Christian Dierstein,
Burkhard Friedrich, Uli Fußenegger, Alexander Grebtschenko, Matthias Handschick, Carsten Henning,
Eva-Maria Houben, Manuela Kerer, Katharina Klement, L’art pour l’art, radu malfatti, Ortwin Nimczik,
noid, Matthias Schlothfeldt, Gunter Schneider, Cornelius Schwehr, Wolfgang Seierl, Meike Senker,
Mathias Spahlinger, Burkhard Stangl, Danielle Witschi und Christian Wolff.
PFAU. Friedberg 2017

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Die musizieraktionen haben Pioniercharakter: Die in diesem Buch enthaltenen Anregungen zur V/Ermittlung experimenteller Musizier- und Komponierweisen sind eine umfang- und variantenreiche Sammlung verschiedener musikalischer Anleitungen der Avantgarde: von John Cage über Luigi Nono oder Annea Lockwood bis hin zu Pauline Oliveiros. Das Buch enthält zahlreiche vom Autor selbst entwickelte Anregungen für ein gemeinsames experimentelles Musizieren. Es richtet sich gleichermaßen an Lernende, Studierende und Lehrende sowie an alle, die mit Verve neue Musikformen und -klänge im selbsttätigen Tun er-schaffen, er-proben, er-spielen und v/ermitteln wollen. In musizieraktionen finden sich außerdem etliche Anleitungen und Kompositionen, die namhafte Musikerpersönlichkeiten für Hans Schneider verfasst haben und hier erstmals publiziert werden.

Die musizieraktionen haben Pioniercharakter: Die in diesem Buch enthaltenen Anregungen zur V/Ermittlung experimenteller Musizier- und Komponierweisen sind eine umfang- und variantenreiche Sammlung verschiedener musikalischer Anleitungen der Avantgarde: von John Cage über Luigi Nono oder Annea Lockwood bis hin zu Pauline Oliveiros. Das Buch enthält zahlreiche vom Autor selbst entwickelte Anregungen für ein gemeinsames experimentelles Musizieren. Es richtet sich gleichermaßen an Lernende, Studierende und Lehrende sowie an alle, die mit Verve neue Musikformen und -klänge im selbsttätigen Tun er-schaffen, er-proben, er-spielen und v/ermitteln wollen. In musizieraktionen finden sich außerdem etliche Anleitungen und Kompositionen, die namhafte Musikerpersönlichkeiten für Hans Schneider verfasst haben und hier erstmals publiziert werden.

Rezensionen:

Barbara Balba Weber: “Darmstädter Schule” für den Schulgebrauch. In: positionen. Texte zur aktuellen Musik. Nr. 112, S. 47

»Darmstädter Schule« für den Schulgebrauch Das Buch gehört ins Büchergestell jeder Schulmusikerin, jedes Komponisten und jeder Musikvermittlerin: Hans Schneider legt mit musizieraktion: frei – streng – lose ein Praxishandbuch zur Vermittlung neuer Musik im Bildungskontext vor, das gründlicher kaum sein könnte. Es handelt sich dabei nicht nur um eine umfassende Sammlung mit Anregungen und Anleitungen, um mit Gruppen experimentell zu musizieren.1 Es geht auch um die Zusammenstellung einer bestimmten Art, experimentell zu denken und zu komponieren, die für Laien verständlich ist. Ein großes Verdienst.

Musikvermittlung ist ein weites Feld: Zahlreiche unterschiedliche Zielgruppen und Musikakteure sind gemeinsam in zahlreichen unterschiedlichen Formaten involviert – und ebenso zahlreich sind die Inhalte, die Gründe und Ziele der jeweiligen Ansätze. Inmitten all dieser heute recht komplex gewordenen Möglichkeiten lässt sich Hans Schneiders Buch wohltuend einfach einordnen: Hier geht es ganz klar darum, eine bestimmte Art von Musik (neue Musik der letzten siebzig Jahre) einer bestimmten Zielgruppe (Schulklassen oder anderen Gruppen, respektive deren Leitenden) näherzubringen. Auch beim Thema Format fokussiert das Buch strikt und konzentriert: auf interaktive bis partizipative Ansätze, mit denen werkstattmäßig musikalische Praxen von der einen auf die andere Seite zur »Ermittlung« übergeben werden. Die Einseitigkeit dieser Bewegung spiegelt konsequent die Geschichte der neuen Musik selbst wider: Die Verhältnisse, wer wem was und warum vermittelt, sind streng geordnet. Lamar, Fischer, Bieber und so weiter kommen hier nicht vor. Aber das macht auch nichts, denn wirklich interessant an diesem Kompendium ist vor allem, dass damit eine sowohl geradlinige als auch vielfältige Methodik zur praktischen Umsetzung einer großen Anzahl von Konzepten und Kompositionen neuer Musik aufgestellt ist.

Beim ersten Durchblättern des 263 Seiten dichten, großformatigen Buches lassen Bilder, grafische Partituren, handgeschriebene Texte, Noten, Verbalkompositionen, Fotos, Gedichte, Randbemerkungen und rote Zitate sofort den Eindruck eines Werkbuchs voller Musik entstehen. Man blättert lustvoll kreuz und quer und möchte dieses und jenes zwischen Schwitters und Stangl gleich in die Tat umsetzen. Will man diese Adaptionen und Kompositionen, diese instrumentalen, vokalen, rhythmischen, performativen, grafischen und thematischen
Aktionen aber ausführen, muss man vorerst mal ziemlich viel lesen. Nichts für oberflächliche Typen.

Beginnen wir also doch am besten einfach mal ganz von vorne: Wer nach den fundierten Vorüberlegungen die ausführliche, methodische Einführung und die sorgfältigen Lesehinweise durchgearbeitet hat, ist ausgestattet mit wirklich allem, was man für die musikalische Arbeit mit Gruppen wissen muss. Schon kriegt man fast ein bisschen Angst, ob man das auch so gut schaffen wird wie dieser erfahrene Musikpädagoge, Germanist und Musikwissenschaftler. Wählen wir aber exemplarisch eines der kürzeren Konzepte aus – »Gedehnte und punktuelle Klänge« von Hans Schneider selbst – dann merken wir, dass diese Übungen sehr strukturiert aufgebaut sind: »Material«, »Aufgabe 1«, »Realisierung« und »Aufgabe 2«. Bei anderen Konzepten gibt es zusätzlich noch Vorübungen, Hilfestellungen, Varianten, weiterführende Hinweise und Kommentare: Material genug für ein ganzes (Schul-)Musikerleben. Beeindruckend ist auch das Namensregister am Schluss des Buches – da finden sich 256 Namen von »Ablinger« bis »Zirfas«: Fünfunddreißig Komponisten/Autoren2 haben etwas zum Buch beigesteuert, dreiundvierzig weitere sind angeführt.

Fazit: ein wichtiges Buch, das sehr viele Wünsche erfüllt. Und eines auch, das Desiderate für die Musikvermittlung generiert: Diese wäre gefordert, im Bereich der neuen Musik das Experimentelle auch auf andere Kategorien solcher Gruppenprozesse zu übertragen.

 

 

Veronika Grossberger: Komponieren mit Hingabe

Zum Buch “musizieraktionen. frei streng lose. Anregungen zur V/Ermittlung experimenteller Musizier- und Komponierweisen” von HANS SCHNEIDER.

Mit “frei streng lose” untertitelt Hans Schneider sein neues umfangreiches  musikpädagogisches Buch, das sich ausschließlich der V/ermittlung experimenteller, zeitgenössischer Musik widmet, und bringt damit seine Herangehensweise gleich mal auf den Punkt: Im Vorwort appelliert er an MusikpädagogInnen und -vermittlerInnen, die Übungen, Anweisungen und Kompositionsausschnitte als Impulse für ein selbstbestimmtes, kreatives und experimentierfreudiges Arbeiten mit dem musikalischen Material zu sehen.

Das Besondere an diesem Buch liegt wohl in der Ernsthaftigkeit, Genauigkeit, aber auch in der Hingabe, mit der Hans Schneider bereits in seinen Vorüberlegungen auf die Rahmenbedingungen beim Komponieren mit Kindern und Jugendlichen eingeht. Der ehemaliger Professor für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik Freiburg räumt der Präsentationsform, dem Gestus beim Musizieren, der Art anzuleiten und einigen zusätzlichen Ebenen während des Kompositionsprozesses mit SchülerInnen viel Platz zum Nach-Denken ein.

Der ausführliche Praxisteil ist in thematische Abschnitte wie Vokales / Instrumentales / Rhythmisches / Grafisches / Performatives etc. aufgeteilt und bezieht sich oft auf Kompositionen des 20./21. Jahrhunderts, die teilweise als Referenz für neue Spielanleitungen dienen, teilweise in für SchülerInnen adaptierter Form präsentiert werden. In detailliert beschriebenen, aufbauenden Schritten nähert sich Schneider beispielsweise dem Thema Kälte (bezugnehmend auf Heinz Holliger, Klaus Schneider und Helmut Lachenmann) mit Stimm- und Körperübungen, um dann mit traditionellem Instrumentarium und alltäglichen Gegenständen wie Alufolie oder Steinen in den Kompositionsprozess einzutauchen.

In einem weiteren Teil befindet sich eine Sammlung von Werken renommierter zeitgenössischer Komponistinnen wie Peter Ablinger, Katharina Klement oder auch Christian Wolff: Die Anthologie reicht von humorvollen, spielerischen Anweisungen wie jener von Manuela Kerer für Kaugummikauer (KAUAKt) bis zur Auseinandersetzung mit traditionellem Material und Instrumentarium (Matthias Handschick: Chromatische Tonleitern). Alle diese Stücke stehen für sich, ohne konkrete Handlungsanweisungen. Auch hier ist der/die VermittlerIn gefordert sich selbst Gedanken über die Lesart und Herangehensweise zu machen.

Hans Schneider übergibt der Welt der MusikvermittlerInnen und MusikpädagogInnen mit diesem übrigens auch grafisch sehr ansprechend gestalteten Buch seinen musikpädagogischen Erfahrungsschatz von mehreren Jahrzehnten, die Essenz seiner engen, von Diskursen geprägten Zusammenarbeit mit zahlreichen experimentellen MusikerInnen und KomponistInnen sowie sein Wissen über und seine Leidenschaft zur Neue Musik.

In: music austria vom 14. August 2017

https://www.musicaustria.at/komponieren-mit-hingabe/